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Berichte, Geschichten und Gedanken 

In einem Schlag nach Cagliari

Autorin Barbara

430 Meilen, 4 Tage und 3 Nächte sind wir gesegelt, bis wir am letzten Donnerstag gegen Abend in der Bucht vor Pula auf Sardinien, den Anker fallen liessen. Es war unser bisher längster Schlag und mit der einen oder anderen Unsicherheit verbunden. Ich hatte Angst mich ins Bett zu legen und Ralph alleine zu lassen. Fürchterliche Fantasien beschäftigen mich. Die Vorstellung, dass ich nach eingen Stunden schlafen an Deck komme und Ralph nicht mehr da ist, liess mich wach bleiben.

Wir konnten uns darauf einigen, dass derjenige der Wache hat, grundsätzlich im Cockpit bleibt. Für kleine Handgriffe ausserhalb, zieht er die Rettungsweste an und klinkt sich ein. Für grössere Aktionen und natürlich für alle Manöver, wird der Schlafende geweckt und kommt dazu. Mit dieser Abmachung konnte ich mich schliesslich entspannen. 

So haben wir die lange Strecke gut bewältigt. Ich musste Ralph mehrmals wecken. Einmal war es ein Gewitter, das Ralph's Schlaf störte. Auf dem Radar konnte ich sehen, dass sich etwas zusammenbraute und verspürte das Bedürfnis abzuhauen. Das taten wir dann auch. Nach der Halse (Richtungsänderung mit dem Heck durch den Wind), trennten sich unsere Wege und von weitweg, haben Blitze durchaus etwas faszinierendes....


Wie immer, wenn wir unterwegs sind, hatten wir etwas mehr Wind als uns lieb war und so mussten wir beide unsere Ruhepausen einmal unterbrechen, um die Segel zu reffen. Dies würden wir ein nächstes Mal etwas anders gestalten.

Wir haben uns vorgenommen, lieber in einem Manöver die Segelfläche etwas mehr zu verkleinern, auch wenn wir danach langsamer unterwegs sind. So könnten wir die Übungen halbieren. Besser organisieren müssen wir auch die Mahlzeiten. Wir brauchen eindeutig mehr Fast Food, denn Kochen bei 5 Meter hohen Wellen und 25 Knoten Wind ist eine echte Herausforderung.

Unser Fazit dieser Reise ist auf jeden Fall durchwegs positiv und wir würden jederzeit wieder zu zweit längere Strecken segeln. Auf jeden Fall ist das Gefühl anzukommen grandios. In der Bucht den Anker fallen lassen und ins Bett liegen ist nie der Art herrlich, wie nach solch einer Erfahrung.

Euphorische Gefühle auf Lille Venn

Autorin: Barbara

Wir sind in 5 Tagen bei allerschönsten Bedingungen von Marokko zurück an die spanische Küste nach Calpe gesegelt. Wunderbares Wetter, toller Wind aus der richtigen Richtung und praktische keine Welle. Wir haben in traumhaften Ankerbuchten übernachtet, Delphine haben uns mehrere Male begleitet und es war ganz nahe, dieses Glücksgefühl. 


In diesen Stunden wurde uns auch sehr bewusst, dass viele der letzten Schläge nicht ganz einfach waren und wir doch einiges durchhalten mussten. Auf dieser Reise zurück nach Spanien wussten wir wieder ganz genau, weshalb wir das hier machen. Es ist eben dieses Gefühl, Teil des grossen Ganzen zu sein und sich dabei frei zu fühlen.

Damit wir nicht vollständig ausflippen, gerieten wir in der Bucht vor Calpe dann doch noch in eine Gewitterwalze. Das war heftig. Innert Sekunden drehte der Wind um 180 Grad und blies mit 35 Knoten. Unser Bremsklötzchen an Bord hatte aber schon früh eine Vorahnung und unser Grosssegel war bereits geborgen und verpackt. So stand nur die Genua back und es schüttelte und rüttelte und wir brauchten echt einen Moment, um die Situation in den Griff zu bekommen. Das Segelboot hinter uns, welches sich unter voller Besegelung vorgenommen hat uns zu überholen, sah etwas später aus, wie ein gerupftes Huhn.

In Calpe angekommen, wurden wir herzlich empfangen von Ueli, einem alten Segelfliegerfreund von Ralph und seiner Frau Erika. Wir haben herrliche Tage zusammen verbracht und wurden sehr verwöhnt und allerbestens unterhalten.


Nun, die gute Stimmung auf Lille Venn hält an. Morgen gehts los in Richtung Sardinien. Und wenn unser Schiffli weiterhin so schön harmonisch vorwärts segelt, dann wäre das eventuell in einem Schlag zu schaffen? 3 Tage und 3 Nächte? Das wäre ein schöner Erfolg um danach entspannt vom Langstreckensegeln in den Ferienmodus zu wechseln.

Mai alslama Marokko

Autorin: Barbara

Nach fantastischen 4 Wochen in Marokko, werfen wir morgen Mittag die Leinen los und segeln zurück nach Europa.

Es liegt ein Monat mit vielen unvergesslichen Momenten hinter uns. Wir werden noch lange in den Erinnerungen schwelgen an dieses friedliche Land, mit seinen herzlichen, gastfreundlichen und humorvollen Menschen.

Auch das eine oder andere Schlitzohr wird noch einiges zu erzählen geben. Lange werden wir noch daran denken, wie wir stundenlang durch die Medinas wanderten und uns berauschen liessen, von all den Düften und Farben.

Ganz besonders gut gefiel uns das Reisen in den "Grand Taxis". Die Gespräche, die sich während der Fahrten, besonders mit den Frauen ergaben, haben uns sehr bereichert und uns einen Einblick in die hiesige Kultur ermöglicht.

Ralph wird sein Leben lang von den marokkanischen Patisserien träumen und es ist gut möglich, dass es ihn, schon alleine deswegen, wieder nach Marokko zieht. Es war ein Bild für die Götter, wenn Ralph in den mit hausgemachten, ofenfrischen Leckerein prall gefüllten "Traiteurs" stand und die Damen hinter der Theke bat, sie sollen einfach alles einpacken, was in die Schachtel passt.

Wir kamen in diesem Monat nach den vielen gesegelten Seemeilen und der Bauerei am Schiff zur Ruhe. Nun freuen wir uns  im Frühling und Sommer viele Gäste auf Lille Venn an Bord zu begrüssen und segeln morgen voller Vorfreude los, mit dem Ziel Sardinien. Ach ja, rein theoretisch könnte es ja sein, dass es diesmal ohne Starkwind vorwärts geht....