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Berichte, Geschichten und Gedanken 

Ausflug ins berühmt berüchtigte Tanger

Autorin: Barbara

Tanger wird bezeichnet als Wächter der Strasse von Gibraltar, als Tor zu Afrika, aber auch als Heimat des Lichtes, oder als weisse Stadt.

Zwischen 1912 und 1956 war Tanger berühmt berüchtigt. Eine wilde "alles-ist-möglich" Kultur entwickelte sich und zog sämtliche Randgruppen der Gesellschaft an. Drogensüchtige, Salonlöwen, Währunsgspekulanten, Spione und sexuell anders Denkende, brachten das damalige Tanger in Verruf.

Mit dem Ende der Interzone-Ära begann für die Stadt eine lange Zeit des Verfalls. Von den einst so vielen Einwanderern, waren letztlich nur noch ein paar tausend übrig. Ein trostloser Hafen und eine hohe Kriminalitätsrate, waren viele Jahre lang das einzige, was man über Tanger kannte.

Das heutige Tanger ist vollkommen anders. Viele Investoren kamen zurück in die weisse Stadt und verleihen ihr einen neuen Glanz. Die Eröffnung der neuen Marina und der TGV- Schnellzugstrecke in die grossen Städte Marokkos taten ihr übriges.


Wir wandelten stundenlang durch die wunderschöne Medina, liessen uns berauschen von dieser besonderen Stimmung. Dieser Mischung aus den Stimmen der Händler, all den Düften und Farben und zwischendurch dem Ruf des Muezzin.


Wir wohnten bei Farida und Jürgen im oberherzigen Hotel Tangerina, das uns von der Crew der SY September emfohlen wurde. Gleich nach der Ankunft erhielten wir ein kostenloses Upgrade, weil gerde noch ein Zimmer frei war. Der Blick aus dem Bett war sagenhaft.

Abends wurden wir von Farida und ihrem Team bekocht und genossen, zusammen mit anderen Gästen am langen Tisch, einen geselligen
Abend. Wir planen im späten Herbst via marrokanische Atlantikküste auf die Kanaren zu segeln. Wundert euch das?


Geschenkte Zeit

Autorin: Barbara

Eigentlich wollten wir nach 2 Wochen in Smir weitersegeln nach Al Hoceima. Ja und eigentlich wollten wir dann von dort zurücksegeln an die spanische Küste. Und eigentlich wissen wir, dass sich kein Wind der Welt für Lille Venn's Pläne interessiert.

Kurzum; wir sind immer noch im selben Hafen, wo wir am 2. März angekommen sind. Den Westwind den wir brauchen, um weiterzusegeln, haben die hier gänzlich aus dem Verkehr gezogen. Wir verbringen hier also herrliche, planlose, geschenkte Zeit. Am 22. April bekommen wir Besuch auf Sardinien und auf dem Weg dorthin wollen wir Freunde in Albir an der Costa Blanca besuchen. Diese Dates sind nicht in Gefahr. Wir haben ja durchaus die Möglichkeit den Turbo einzulegen und Tag und Nacht zu segeln. Meilen schrubben, nennt man dies in der Seglersprache.

Ralph beschäftig sich nun intensiv mit dem Einbau unserer Lithiumbatterie, währenddessen ich am Update unserer Homepage tüftle. Wir haben endlich Zeit für Hafenmanövertrainings, spielen und machen alle paar Tage einen Ausflug. Gestern zog es uns nochmals ins Städchen Fnid'q, nahe der spanischen Grenze. Das ist jedes Mal aufs neue ein Abenteuer.

Das ganze Städtchen ist ein einziger Markt. Handel bestimmt das Leben der Menschen. An den einfachen Ständen türmen sich Früchte und Gemüse, aber auch tonnenweise Tücher und Kleider, Seidenstoffe, neben Chinadecken, tonnenweise aus Ceuta importierte Guetzlipackungen, Waschmittel, Geschirr und Plastikschüsseln und überhaupt alles, was man sich vorstellen kann. Im Innern eines unscheinbaren Hauses, geht es dann weiter. Unterwäsche, Pijamas, Brillen, Socken, Schuhe, Hochzeitskleider, Lederartikel, und vieles mehr, werden auf hunderten von Quadratmetern in allen Farben und Formen feilgehalten. Wir können uns kaum satt sehen und sind fasziniert vom Gewusel der handelnden Marktleute. Wir kaufen auch das eine oder andere ein und verzichten aufs Handeln am Markt. Ein Kilogramm Erdbeeren kosten einen Franken. Da gibt es für uns nichts mehr zu feilschen.

Nach zwei Stunden staunen, essen wir in einem kleinen Restaurant Tajin und Calamares und zum Dessert Flan Caramel. Letzteres gibt es hier an jeder Ecke. Wir sind uns sicher: Flan Caramel ist hier das Nationaldessert. Ach ja, inzwischen ist mir auch klar geworden,  weshalb mich der Eiermann ganz schockiert anschaute, als ich 6 Eier kaufen wollte. 36 Stück ist hier die kleinstmögliche Einheit. Wir kommen wieder. 

Enklave Ceuta. Zwischen zwei Welten

Autorin Barbara

Mit unserem Liebglingstransportmittel, dem Grand Taxi, machten wir uns gestern auf nach Ceuta. Nur 20 Kilometer  trennen die spanische Enklave an der marrokanischen Mittelmeerküste von unserem Hafen Smir.

Tolle Architektur, feine Tapas und ein schöner Yachthafen, verprach unser Reiseführer. Dennoch hatten wir, nicht zuletzt aufgrund der Funksprüche, die uns während der Reise auf Lille Venn erreicht haben, eine Vorstellung von der Flüchtlingsproblematik an der Strasse von Gibraltar.

Was uns auf dem Weg nach Europa begegnete, erinnerte uns dann doch eher an Krieg, als an die Verbindung zweier friedlicher Länder. Nach den üblichen bürokratischen Abläufen, marschierten wir, zusammen mit vielen Marokkanern, durch einen langen Käfig, vorbei an hohen Stacheldrahtzäunen.  Der Grenzübergang glich einer Festung.

Viele, sichtlich arme Menschen, vorallem Frauen, sind uns aufgefallen, die Poschtiwägeli hinter sich herzogen und wir fragten uns, was sie wohl in Ceuta kaufen wollen.

Nach der Ankunft auf der spanischen Seite, im Armenviertel Principe, nahmen wir ein Taxi ins Stadtzentrum.

Unser Aufenthalt in Ceuta ist schnell erzählt. Wir sind die edle Einkaufsstrasse hochgegangen, haben die architektonisch erwähnenswerten Häuser gesehen, Tapas gegessen und etwas eingekauft. Es hat sich vieles falsch angefühlt.

So fuhren wir schon bald zurück an die Grenze. Die Rückreise nach Marokko war bedrückend, denn inzwischen waren viele Menschen in den engen Gängen und alle Frauen zogen ihre vollbepackten Wägelchen hinter sich her und schleppten ausserdem Säcke und Taschen, dass es uns ganz anderes wurde.

Erst das abendliche Literaturstudium brachte die Erklärung, dass diese Frauen für ein paar Euro am Tag in Ceuta günstig Waren einkaufen, die Lastwagenweise angekarrt werden. Auf der marokkanischen Seite warten dann die Händler, die den Frauen die Ware abnehmen. Dass bei dieser Arbeit im letzten Jahr mehrere Frauen umkamen, stimmte uns traurig.

Die Tapas blieben uns noch länger schwer im Magen liegen.

Wenn es euch interessiert. Hier ist ein Link zu einem sehr guten Artikel zum Thema: "Grenzübergang von Fnideq nach Ceuta": https://www.deutschlandfunk.de/stadt-der-grenzgaenger-ceuta-exklave-zwischen-den-welten.724.de.html?dram:article_id=423307