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Edle Tropfen mit lieben Freunden und ein Blick zurück…
  • Edle Tropfen mit lieben Freunden und ein Blick zurück…
von Barbara Bader
(Kommentare: 2)

 

Die Fähre bringt uns, wieder bei Dunkelheit, zurück auf die Nordinsel. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn ein weiteres Schiff ist wegen technischer Probleme ausgefallen. Nur gerade diese eine Fahrt am späten Abend wurde durchgeführt. Glück gehabt.

Wir sind voller Vorfreude, denn von der anderen Seite kommen uns Wiebke und Ralf von der Flora entgegen. Wir treffen uns in Napier, einem guten Ausgangspunkt für die Erkundung der Weingebiete von Hawke’s Bay, der ältesten Weinregion Neuseelands. Eine Woche wollen wir dort zusammen verbringen.

Napier begann als kleine Siedlung am Rand von Sümpfen und Inseln, geformt von kolonialen Ideen und großen Plänen. Alfred Domett erhielt Mitte des 19. Jahrhunderts den Auftrag, aus Ahuriri eine Stadt zu machen und gab ihr den Namen Charles Napier. Lange blieb das Leben hier eng verbunden mit dem Hafen, verstreut über einzelne Inseln, getrennt durch weite Lagunen und Wattlandschaften. Dann kam der 3. Februar 1931, ein Tag, der alles veränderte. Beim Erdbeben von Hawkes’Bay bebte die Erde mit einer Wucht, die kaum vorstellbar ist. Innerhalb weniger Minuten wurde Napier praktisch ausgelöscht. Gebäude stürzten ein, Feuer fraßen sich durch die Stadt, und auch das nahe Hastings wurde schwer getroffen. Doch die Zerstörung war nur ein Teil der Geschichte. Die Landschaft selbst hob sich stellenweise um fast drei Meter. Wo zuvor Wasser, Schlamm und Lagunen waren, entstand plötzlich neues Land. Ganze 40 Quadratkilometer wurden dem Meer abgerungen.

Napier stand nach dem Beben nicht nur ohne Häuser da, sondern auch ohne funktionierende Verwaltung. Trotz Wirtschaftskrise, so lese ich es beim Recherchieren, entschieden sich die Menschen gegen einen schnellen, funktionalen Wiederaufbau und wählten stattdessen eine andere Art des Neuanfangs. Und so entstand Napier ein zweites Mal, diesmal im Stil des Art déco. Ich lese, dass Napier heute wie eine Zeitkapsel der 1930er Jahre wirke. Um ehrlich zu sein, so ganz kann ich persönlich das nicht erkennen. Ich bemerke immer wieder, dass wir Europäer mit den vielen wirklich alten Städten und deren Geschichte arg verwöhnt sind.

Die nächsten Tage wechseln wir von Kultur zur Kulinarik und lassen uns verwöhnen. Gutes Essen, feinen Wein und schöne Gespräche mit lieben Freunden, dafür lasse ich locker jedes Museum sausen. Ralph, der bekanntlich keinen Wein mag, ist unser Chauffeur und bringt uns immer sicher wieder nach Hause. Falls ihr nun denkt, wir hätten uns nur durch Hawkes Bay geschlemmt? Falsch. Wir mieten E-Bikes und erkunden die Weinregion per Velo. Recht cool, dass diese in Neuseeland topfeben sind und nicht wie in der Schweiz Weinberge. Schon wieder Glück gehabt. Wir sind mitten in der Erntesaison und die Reben hängen voller reifer Trauben. Aber auch die Apfelplantagen sind voller praller roter Früchte. Es ist ein Schlaraffenland und ein Hochgenuss für die Sinne.

 

Zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit gibt es Regenwetter. Wir mieten uns ein kitschiges Airbnb und reisen zu Alice ins Wunderland, spielen, kochen und trinken wieder Mineralwasser und Tee, im Bedauern, dass wir leider nicht mehr so resistent sind wie in jungen Jahren. Der Abschied fällt uns dieses Mal leicht, denn schon bald sehen wir uns wieder in Fiji! Schön war’s!

So langsam beschäftigen wir uns mit der Rückreise zur Lille Venn, der bevorstehenden Einwasserung und den Arbeiten, welche zu erledigen sein werden. Während Ralph die Rückkehr zum Schiff kaum erwarten kann, genieße ich noch die letzten koch-, putz- und waschfreien Tage.

Ein letztes ganz besonderes Erlebnis steht uns allerdings noch bevor. Vor 13 Jahren bereisten wir Neuseeland mit dem Camper. Wir begannen davon zu träumen, die Welt zu bereisen und damit auch keine Ewigkeiten mehr zu warten. Wir haben in den Jahren davor zwei enge Freunde verloren und beschließen, uns mit der Machbarkeit einer Weltreise auseinanderzusetzen. Mit dem Camper war damals noch der Plan, obwohl wir schon etwas skeptisch waren, weil es nicht so einfach ist, mit einem großen Auto abgelegene Ziele zu erreichen und gerade das hatten wir eben im Sinn.

Just in diesem Moment begegnen uns Carol und Phil im Haus von Phils Bruder Peter und seiner Frau Rachel. Letztere haben uns zu einer Party eingeladen, weil Ralph ihren Söhnen beim Kiten am Strand ein paar Tricks beigebracht hat. Und hier erfahren wir, dass die beiden nur kurz zu Hause sind, denn sie segeln um die Welt. Segeln um die Welt? Aber das sind ja ganz normale Leute, keine Extremsportler oder gar Profis. Geht denn so etwas? Wir werden hellhörig. Einige Tage später sind wir bei Phil und Carol auf ihr Boot eingeladen, welches hier in Whitianga steht. Ich weiß es noch wie gestern. Ein Samen war gesät.

Mit Carol und Phil sind wir all die Jahre in Kontakt geblieben. Sie verfolgten unsere Reise und waren lange vor uns davon überzeugt, dass wir es bis zu ihnen nach Neuseeland schaffen. Sie haben uns eingeladen, einige Tage bei ihnen im Busch zu verbringen. Es war wunderschön und so, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ralph durfte mit Phil in seinem Garten, der aus 7 Hektaren (sieben Hektaren!!) Regenwald besteht, einen Baum fällen und strahlte nach getaner Arbeit wie ein kleiner Junge. Okee, wir sind nicht mit dem Schiff nach Neuseeland gefahren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Dies hier ist der letzte Beitrag aus dem Land der weißen Wolke. Beim nächsten Mal geht es dann wieder weiter auf der Lille Venn. Wir planen, den ganzen Sommer durch die Inselgruppen von Fiji zu segeln und vor allem die abgelegenen Lau-Inseln zu besuchen. Davon, von einer hoffentlich glücklich verlaufenden Einwasserung und von einem Neuzugang auf der Lille Venn demnächst an dieser Stelle. Auf Wiedersehen Neuseeland. Haere rā Aotearoa!

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Kommentar von Mücke |

Liebe Lille Venn,s,

wieder einmal grossartig zu lesen, danke das wir wieder dabei sein dürfen.

Beim Wiedereinzug auf`s Schiff wünschen wir gutes Gelingen.

Kommentar von Hans Graber |

Danke dass Du uns immer wieder mit nimmst auf deiner Reise.
Gute Reise nach Fiji und gute Gelingen beim Einsetzen.
Ich freu mich auf den nächsten Bericht der dann wieder schaukelnd geschrieben wurde.
Herzlich Hans

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