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Wir segeln zur kleinen Insel Quamea. Sie liegt nur wenige Seemeilen von Taveuni entfernt und ist berühmt für die Krabbenwanderung. Ende November wandern tausende rote Landkrabben zur Paarung an die Strände. Dieses Naturspektakel erleben wir zwar nicht, dafür wunderschönes Schnorcheln im glasklaren Wasser und einmal mehr tolle Gastfreundschaft!



Die Familie Mitchell bietet ein traditionelles Abendessen an, welches fast alle Crews in der Bucht geniessen wollen. Pünktlich zum Sonnenuntergang treffen wir an Land zur Kavazeremonie ein und geniessen anschliessend ein Buffet der Sonderklasse. Immer noch geprägt von den gemüsearmen Zeiten der letzten Wochen bekomme ich regelrechte Glubschaugen, nur schon beim Hinsehen.


Ich ahne jedoch, dass die Versorgungslage ab sofort wieder sehr gut werden wird, denn die drittgrösste Fidschi-Insel, liegt in Sichtweite. Ein Besuch auf Taveuni ist auch aus einem ganz bestimmtem Grund unerlässlich für uns, jedoch liegt unser Ziel Somosomo etwas weiter südlich, aber dazu später mehr.
Vorerst frage ich am späteren Abend Siah Mitchell, ob es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten gibt und ob sie eine Transportmöglichkeit anbieten. Es locken uns ein Marktstand, ein kleiner Supermarkt und, um ehrlich zu sein, wir haben auf Noforeignland gelesen, es gäbe eben dort herrliches selbstgemachtes Glacé.
Am nächsten Tag steigen Aagje und ich zu Kay in sein Longboat und er fährt mit uns zielsicher durch die kleinen Lücken im Riff zum Dorf Matei im Norden von Taveuni. Und tatsächlich! Es war keine Fatamorgana. Es gab frisches Gemüse und das beste Glacé aller Zeiten. Herzlichen Dank a die Italienerin Lucilla Chiericati, die zusammen mit ihrem deutschen Mann Robert Glowatzki auf der Insel lebt. Die beiden betreiben dort eine Bio-Farm und stellen feinstes, 100 % natürliches Bio-Eis her. Sie nutzen dafür lokale tropische Früchte wie Kokosnuss, Soursop, Bananen und Guaven aus eigenem Anbau. Es war schlecktakulär! (Mangels Superlativen muss ich nun eigene erfinden :-))

Kay mit seinem Longboat
Gut ausgestattet gehen wir am nächsten Morgen Anker auf und segeln bei besten Bedingungen zur Viani Bay auf der Insel Vanua Levu. Diese schöne Bucht liegt gleich gegenüber von Taveuni und vor dem berühmten Rainbow Reef. Wiebke und Ralf von der Flora sind schon vor Ort und Ralf hat bereits mehrere Tauchgänge absolviert. Mit Roland. Dem Schweizer, der seit 30 Jahren in der Gegend lebt. Flugs haben auch wir einen Tauchgang gebucht. Schön war’s und leider blieb es bei dem einen, denn am nächsten Morgen höre ich ein lautes «Shit» aus dem Badezimmer. Ralph hat sich einen Zahn abgebrochen. Die Sache ist wackelig und duldet keinen langen Aufschub. Ein Zahnarzt ist relativ bald gefunden. In Savusavu nämlich, unserem nächsten Ziel, wo ich die Lille Venn für einige Wochen verlassen werde. Nur, dorthin wollen wir noch nicht. Erst in einer Woche ist es Zeit, an Abschied zu denken.


Roland kann helfen. Sehr früh am nächsten Morgen bringt er Ralph mit seinem Boot zur Nachbarinsel, von wo eine Fähre nach Savusavu fährt. Von dort muss er umsteigen und eine gute Stunde mit dem Bus zu seinem Ziel fahren. Den Weg zurück zur Lille Venn kann Ralph allerdings erst am nächsten Morgen antreten und so erlebe ich meine allererste Nacht alleine vor Anker. Glücklicherweise ist ja die Flora vor Ort und ich lade die beiden zum Abendessen ein. So verbringe ich die Zeit mit Kochen und wir geniessen einen schönen Abend zu dritt. Die Nacht ist ruhig und deshalb fühle ich mich zu keiner Zeit unwohl. Ich würde aber lügen, wenn ich behaupten würde, ich wäre nicht erleichtert gewesen, als ich dann gegen Mittag am Horizont Rolands Boot mit meinem wiederhergestellten Schatz entdecke.

Ausnahmsweise geht es auch ohne Ralph
Morgen ist der 1. August, der Schweizer Nationaltag. Roland lädt uns zum Grillen ein und wir verbringen einen gemütlichen Abend auf seinem verwunschenen Anwesen in der Viani Bay. Ralf und Wiebke wundern sich, dass wir alle drei keine einzige Strophe der Schweizer Nationalhymne singen können, die da lautet:
Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland
Es fehlt uns schlicht an Frömmigkeit!


Nun geht es Schlag auf Schlag. Es gibt ruhiges Wetter und somit ideale Bedingungen, um auf der Insel Rabi mit den Mantas zu schnorcheln. Die Tauchschule der Viani Bay bietet diesen Ausflug an und mit dem Schnellboot sind wir in gut einer Stunde vor Ort. Es gibt kaum etwas Eindrücklicheres, mal von den Haien und Walen abgesehen, als mit diesen majestätischen Ozeanriesen zu schnorcheln. Es handelt sich um schwarze Riffmantas, die eine Spannweite bis zu 5 Metern erreichen. Sie kommen nur in Küstennähe vor, immer wenige Kilometer von der nächstgelegenen Landfläche oder Insel entfernt, und leben bei Fels- und Korallenriffen, an denen planktonreiches Wasser an die Oberfläche strömt. Mantastisch!!


So langsam naht der Tag, an welchem wir nach Savusavu segeln müssen, aber eines steht noch aus. Ein Besuch auf Taveuni, denn diese liegt genau auf dem 180. Längengrad, also auf der Datumsgrenze. Erinnert ihr euch? Tag 8 auf dem Weg Richtung Fidschi. Heute ist gestern morgen oder… - Lille Venn Dort muss ich meinen verlorenen Tag wieder einfangen. Müsste klappen oder etwa nicht?
Roland bringt uns mit seinem Wassertaxi auf die andere Seite nach Somosomo. Es war ein toller Tag mit Eindrücken aller Art. Sogar Flughunde konnten wir bewundern und natürlich schon wieder Glacé essen. Es gab solche, die assen sogar zwei! Und ich glaube, ich habe ihn erwischt. Den Tag meine ich.

Hier stehe ich auf der Datumsgrenze. Den einen Tag lasse ich dort und den anderen nehme ich mit!


Flughunde
Die Rückfahrt war ebenso unvergesslich. Der Wind hat erheblich aufgefrischt und mit ihm die Welle. Zusammen mit Wiebke sass ich auf der Rückbank und ich weiss nicht genau, ob pflotschnass eine Steigerungsform besitzt, die für unseren Zustand zutreffen würde. Dass nahe dem Riff auch noch der Motor streikte, war ebenso wenig beruhigend. Wir waren sehr erleichtert, als wir bei unseren Schiffen ankamen.

Wir findet Wiebke?
Wir haben so viel erlebt in den letzten Tagen, dass es nun für mich in Ordnung ist, nach Savusavu zu segeln, wo wir auch endlich die My Motu mit Aagje und Jeroen wieder treffen. Der Rest ist schnell erzählt. Waschen, putzen, für Ralph Zöpfe backen und den Koffer packen. Abschied fällt mir immer schwer und letztlich bin ich einfach froh, wenn er vorbei ist und ich den Heimweg antreten kann. Natürlich begleitet mich auf der langen Reise zurück in die Schweiz auch viel Vorfreude.
Ralph wird zusammen mit Aagje und Jeroen, die ihr Schiff in Fidschi lassen, unsere Lille Venn nach Neuseeland segeln. Traurig bin ich nicht, weil ich diese schwierige Passage auslassen werde. Ich bin gespannt, was die vier von unterwegs berichten. Davon und von einer besonderen Auszeit in Bella Italia berichte ich beim nächsten Mal.