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Wir wollen weiter in den Süden. Genauer zum südlichsten Punkt, den wir bisher auf unseren Reisen erreicht haben. Aber zuerst genießen wir ein paar ruhige Tage am Lake Manapouri, dem See der traurigen Herzen. Eine Maori-Überlieferung erzählt von zwei Schwestern, Moturua und Koronae. Eines Tages machte sich Koronae alleine auf den Weg in den dichten Wald. Sie verirrte sich im unwegsamen Gelände, stürzte und wurde tödlich verletzt. Als sie nicht zurückkehrte, begann ihre Schwester Moturua nach ihr zu suchen. Lange durchstreifte sie die Wildnis, bis sie Koronae schließlich fand, reglos und dem Leben bereits entglitten. Moturua wich nicht mehr von ihrer Seite. Sie legte sich zu ihrer Schwester, hielt sie fest und blieb bei ihr, bis auch sie selbst starb. Die Trauer, die sie verband, war so tief, dass ihre Tränen die Landschaft füllten und der See Manapouri entstand.

Traurige Tage hatten wir nicht, aber durchaus ruhige mit Spaziergängen am See und später in Riverton am Meer, entlang der Weiden mit den unzähligen Schäfchen.



Als wir uns in den Süden aufmachen, stöhnt Ralph, Bluff werde wohl auch der südlichste Punkt sein, den wir je erreichen, da ich ja nicht mit ihm ums Kap Horn segeln will. Während diese Annahme zu hundert Prozent stimmt, sieht es mit dem südlichsten Punkt des Landes ganz anders aus. Unsere Recherchen bringen zutage, dass die Landmarke „Stirling Point“ zwar als südlichster Punkt vermarktet wird, der tatsächliche liegt jedoch 90 Kilometer weiter östlich, in den Catlins. Dort ist die Kulisse für tolle Bilder allerdings weniger spektakulär. Reingefallen!


Voller Vorfreude geht die Fahrt weiter nach Dunedin, man sagt Da-nieden. Der etwas ungewöhnlich klingende Name ist die anglisierte Form des schottisch-gälischen Namens Dùn Èideann für Edinburgh, Festung am Hügelhang. Logisch oder? :-) Die Stadt konzentrierte sich nach dem Ende des Goldrausches auf ihre Schaffarmen und wurde zum führenden Wollmarkt der Südinsel. Heute spielt vor allem die Universität eine tragende Rolle und rund 15 Prozent der EinwohnerInnen sind Studierende. Uns faszinierte der wunderschöne 1906 eröffnete Bahnhof von Dunedin. Das Gebäude im flämischen Renaissance-Stil wurde aus dunklem Basalt und hellem Oamaru-Kalkstein errichtet. Auffällig sind die reich verzierten Mosaikböden aus den über 725.000 Porzellanfliesen sowie der 37 Meter hohe Uhrturm mit beleuchteten Zifferblättern. Anfangs nutzten jährlich zehntausend Reisende den Bahnhof, doch mit der Stilllegung zahlreicher Bahnstrecken verlor er zunehmend an Bedeutung. Spätestens 2002, mit dem Ende der letzten Fernverbindung, war seine Rolle im Personenverkehr beendet. Heute lebt der Bahnhof nur noch als touristischer Ausgangspunkt weiter.


Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten sind, ehrlich gesagt, gar nicht unser Hauptgrund, länger in der Gegend zu bleiben. Wir wollen zu den Albatrossen, Ralphs Lieblingstieren. Wir sind ein wenig spät im Jahr und wissen, dass die Brutzeit zu Ende ist, hoffen aber auf Flugübungen und werden nicht enttäuscht. Sogar ein einziges Knäuel Albatrossbaby entdecken wir noch im Brutfelsen.

Die Albatrosse von Dunedin gehören zur Art des Nördlichen Königsalbatros und leben an der einzigen Festland-Brutkolonie ihrer Art weltweit. Mit einer Flügelspannweite von über drei Metern zählen sie zu den größten flugfähigen Vögeln überhaupt und verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem offenen Ozean. Zur Fortpflanzung kehren sie an Land zurück, wobei ein Paar meist nur alle zwei Jahre ein einziges Ei legt. Die Aufzucht ist entsprechend aufwendig und dauert viele Monate, weshalb die Population besonders empfindlich auf Störungen reagiert. Die Tiere leben oft jahrzehntelang und bleiben ihrem Partner in der Regel ein Leben lang treu. Die Kolonie wird intensiv geschützt, da Gefahren wie Fischerei, Klimaeinflüsse und Parasiten den Bestand bedrohen. Es ist deshalb eine seltene Möglichkeit, die Vögel in freier Natur zu bewundern.


Wir wohnen in einer kleinen Hütte auf einem Privatgrundstück und werden bei unserer Ankunft aufs Herzlichste von den Auswanderern Christine und Jochen und deren Tochter Elisa begrüßt. Eher selten genossen wir persönlichen Kontakt mit den Vermietern unserer Unterkünfte. Dieses Mal war es ganz besonders schön. Ralph half Elisa beim Fahrradflicken und am letzten Abend bekochte uns Jochen vom Allerfeinsten mit Gemüsespaghetti. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir diese Familie auf die eine oder andere Art wiedersehen.

Vor 13 Jahren begegneten wir bei unseren Spaziergängen an den Stränden Dunedins vielen Pinguinen. Sogar einige der seltenen Gelbaugenpinguine konnten wir damals fotografieren, wie wir auf den alten Bildern der vergangenen Reise entdeckten. Dieses mal kehrten wir von einem ewig langen Spaziergang am späten Nachmittag und in die Dämmerung hinein und auf demselben Weg wie 2013, ohne Tierbeobachtungen zurück. Nicht einmal den kleinen blauen Zwergpinguin konnten wir erspähen. Die traurigen Gründe dafür erfahren wir am nächsten Tag, als wir im Reservat eine Führung buchen.
Die engagierte Umweltwissenschafterin, die uns auf der 2-stündigen Wanderung begleitet, berichtet, dass die Pinguinpopulation im Süden Neuseelands stark zurückgegangen ist. Besonders betroffen ist der seltene Gelbaugenpinguin. Seit den zweitausender Jahren seien, so lernen wir, die Bestände in der Region um mehr als 70 % geschrumpft! Hauptursache ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Durch die Erwärmung der Meere finden die Tiere weniger Nahrung und müssen weitere Strecken zurücklegen, was ihren Bruterfolg verringert. Gleichzeitig konkurrieren sie mit der Fischerei um Nahrung und geraten immer wieder als Beifang in Netze. Hinzu kommen Krankheiten, die ganze Kolonien schwächen können. An Land stellen eingeschleppte Räuber wie Hermelin, Frettchen und Hauskatze eine große Gefahr dar, da sie Eier, Küken und auch erwachsene Tiere töten. Zusätzlich wird der Lebensraum durch menschliche Nutzung eingeschränkt, und Störungen führen dazu, dass Pinguine ihre Nester aufgeben. Insgesamt zeigt sich, dass nicht ein einzelner Auslöser verantwortlich ist, sondern das Zusammenwirken mehrerer Belastungen, die die Bestände zunehmend unter Druck setzen.
Pinguine haben wir keine gesehen, dafür Seehunde

Aktuell werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Pinguinpopulationen zu schützen und zu stabilisieren. Abgesperrte Brutplätze, die Kontrolle eingeschleppter Raubtiere, Monitoring-Programme und, wie uns die Rangerin schulterzuckend erzählt, wird auch versucht, Einschränkungen für die Fischerei umzusetzen, um das Risiko von Beifang zu verringern. Mit unschönen Bildern im Kopf und gedämpfter Stimmung verlassen wir das Reservat.
Der bedrohte Gelbaugenpinguin (Foto aus dem Internet)

Um uns vom Trübsalblasen abzulenken, spazieren wir durch den wunderschönen botanischen Garten der Stadt und besuchen anschließend die angeblich steilste befahrbare Strasse der Welt. Wer allerdings, wie ich, schon einmal in Madeira mit einem Strassenschlitten halsbrecherisch ins Tal raste, weiss: Das ist ebenso ein Bluff!!!!

Von kugelrunden Riesensteinen am Strand, der Wiederauferstehung des vom Erdbeben erschütterten Christchurch und von Oldtimern vom Allerfeinsten erzähle ich euch in den nächsten Tagen. In diesem Sinne bis bald aus dem Land der weißen Wolke.
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Kommentar von Lotti |
Einfach immer wieder ein Erlebnis mit euch "mitzureisen" und so viel Wissenswertes und Schönes zu lesen, auch Trauriges und doch sehr Interessantes wie das mit den Pinguinen. Mögen den ergriffenen Schutzmassnahmen Erfolg beschienen sein!
Vielen Dank Barbara für deine immer wieder tollen Texte und Bilder.
Euch beiden weiterhin gute Reise und wunderschöne Erlebnisse!
Kommentar von Hans Graber |
Liebe Barbara
Ich danke dir für den eindrücklichen Beitrag. Ich wünsche euch eine gute Weiterreise und etwas erfreulichere Eindrücke. Da muss doch noch ein wahnsinns Highlight auf euch warten.
Ich glaube die Korallen sehnen sich nach Euch!
Bis bald, Herzliche Grüsse aus der weissen Schweiz ????
Kommentar von Mücke |
Liebe Lille - Venn´s
wieder ein Genuss mit euch " unterwegs zu sein ".
Danke für´s mitnehmen,
Saludos,
Mücke