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Wir erreichen unser Airbnb in Blenheim mitten in der Nacht und schleichen durch die Dunkelheit zum Hintereingang. Der Anblick am nächsten Morgen löst irgendwie Glücksgefühle aus. Wir sind bei Desiree in einem kleinen Paradies gelandet. Unsere herzliche Landlady lebt für ihre Blumen und Pflanzen, und sie verzaubert sowohl ihren wie auch fremde Gärten, zieht in jedem Winkel des Hauses neue Pflänzchen und führt uns durch den Blumenkindergarten.

Schon nach 2 Nächten geht die Reise weiter und wir besuchen das Karaka Point Recreation Reserve und tauchen ein in die unberührte Natur. Von solchen Bildern können wir kaum genug kriegen.

Wir wollen nach Nelson. Die eher kleine Stadt liegt an der Nordspitze der Südinsel, eingeklemmt zwischen Tasman Bay und hügeligem Hinterland. Sie wurde nach dem britischen Admiral Horatio Nelson benannt, der 1805 in der Schlacht von Trafalgar fiel. Über die ganze Umgebung verteilt gibt es Trafalgar Strasse, Park, Restaurant Trafalgar und die eine oder andere Erinnerungstafel. Da wir 2018 ums Kap Trafalgar an der andalusischen Küste gesegelt sind, ergeben sich für uns keine schlüssigen Bezüge. Sie haben keinen lokalen historischen Hintergrund, sondern spiegeln die koloniale Erinnerungskultur der britischen Siedler wider. Irgendwie regt mich das auf, und doch stehe ich dann einige Stunden später fasziniert vor den gut erhaltenen Holzhäusern aus der frühen Siedlerzeit.



Und dennoch: Die europäische Besiedelung Neuseelands war ein koloniales Machtprojekt, das mit massiver Landenteignung der Māori einherging. Trotz des 1840 geschlossenen Treaty of Waitangi verloren viele iwi (Stämme) ihr Land, ihren Einfluss und ihre wirtschaftlichen Grundlagen. Die Folgen dieser Politik prägen das Land bis heute.
Wir wohnen mangels zahlbarer Airbnbs in einem Backpacker-Hostel und fühlen uns wie Achtzehnjährige. Allerdings nur am Abend, denn nach der schlaflosen Nacht durch den heiteren Partylärm aus den Nachbarzimmern sehen wir eher aus wie kurz vor dem Altersheim. Egal, die kurze Reise in die Vergangenheit hat sich total gelohnt.
Weiter geht es zu den weltberühmten Pancake Rocks. Die NeuseelandkennerInnen unter euch werden jetzt schon wissen, dass wir uns dort im Gänsemarsch mit den aus den Bussen ausgeleerten Menschenmengen über den geteerten und selbstverständlich abgesicherten, breiten Spazierweg zur Aussichtsplattform schieben. Aber diese Bilder, sind die nicht schön?



Also, ich sehe Herzen und Küsse. Ralph eher stark geschichtete Kalksteinformationen, die vor rund 30 Millionen Jahren aus Meeresablagerungen entstanden und sich durch tektonische Hebung sowie Wind und Brandung formten. Du kannst wählen.
Wir fahren weiter der herrlichen Küste entlang, übernachten in Motels und auf Campingplätzen, wo es oft kleine, gut ausgestattete Cabins gibt. Wir besuchen den Mount Aspiring National Park, geniessen die eine oder andere Wanderung und beschliessen in totaler Einigkeit, dass wir die ebenso weltberühmten Milford Sounds auslassen werden. Vorbei an Queenstown zieht es uns zu den Grossen Seen am Ende des Fjordlandes im Southland und nach Kingston. Wir entdecken den Ort nur auf der Karte. Im Reiseführer finden wir nichts. Am Ortseingang befindet sich ein Holidaypark, eben einer dieser Campingplätze. Das passt. Und Kingston soll uns in Erinnerung bleiben.
Beim ausgiebigen Spaziergang entdecken wir eine alte Bahnstrecke und den dazugehörigen Zug. Der Kingston Flyer! Er ist ein historischer Dampfzug, der ursprünglich Teil der Bahnverbindung zwischen Invercargill und Kingston war. Nachdem der reguläre Bahnverkehr eingestellt wurde, blieb ein kurzer Streckenabschnitt als Museums- und Ausflugsbahn erhalten. Gefahren wird mit restaurierten Dampflokomotiven der AB-Klasse aus den 1920er Jahren. Heute fährt der Zug nur noch unregelmässig zu touristischen Zwecken.

Die gut erhaltene Bahnstation ist ein richtig niedliches und liebevoll gestaltetes Restaurant, in dem uns der leidenschaftliche Wirt mit Begeisterung sein Lieblingsgericht „loaded Fries“ serviert. Dieses Geschmackserlebnis kann man nicht beschreiben, man muss es erleben. Der wirklich lange Fussmarsch zurück zum Campingplatz war ein Segen, und so werden wir noch lange an diesen besonderen Ort zurückdenken.

Es ist tatsächlich bequem

Die Brille habe ich vorsichtshalber abgelegt. En Guete

Schon am nächsten Morgen geht es weiter vorerst zum See der traurigen Herzen und dann zu einem Schwindel in Bluff. In diesem Sinne bis bald wieder aus dem Land der weißen Wolke.
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Kommentar von Mücke |
Danke vielmals das ihr uns " mitnehmt" auf diese so besonderen Landausflüge.
Weiterhin wünschen wir interessante Stationen.
Un saludo,
Mücke
Kommentar von Moni |
Danke für den unterhaltsamen Bericht - ich warte gespannt auf eure weiteren Erlebnisse!
Liebe Grüsse
Moni
Kommentar von Desiree Perret |
So love seeing your adventures. New Zealand is so super beautiful, well done for exploring its wee pockets of culture. I look forward to seeing you both again soon. X