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Nach den letzten bewegenden Wochen, die wir in den Yasawas verbracht haben, geht nun unsere Reise weiter und somit unsere Berichte über unsere Erlebnisse, die dieses Mal wirklich ganz besondere sind. Es ist unser Herzenswunsch, die abgelegene Lau-Gruppe in Fidschi zu besuchen. Das Archipel umfasst ungefähr 100 Inseln und 2017 wurden auf den 30 bewohnten 9602 Menschen gezählt. Gut eingedeckt mit Kavawurzeln, die wir auf dem Markt erwerben, warten wir auf ein geeignetes Wetterfenster. Ein solches ist nicht so einfach zu finden, denn grundsätzlich kommt uns der Wind aus der gewünschten Reiserichtung entgegen.

Da fanden wir es noch lustig
Vor einer Woche war es dann soweit. Wir wollen in der windarmen Zone hinter einer Wetterfront die rund 180 Seemeilen in Angriff nehmen, wohl wissend, dass uns einiges an Wind und der eine oder andere Squall bevorstehen könnten. Den ersten Abfahrtstermin verschieben wir noch, zu nahe ist das abziehende Wetter noch an uns dran. Am nächsten Tag gegen Abend werweissen wir einen Moment und entscheiden uns, wie übrigens einige andere Schiffe mit dem gleichen Ziel, zur Abfahrt. Ein Fehler, wie wir einige Stunden später schmerzlich erfahren müssen. Die ersten Stunden sind wie erwartet, viel Wind und Welle aus einer guten Richtung und wir kommen zügig voran. Dann segeln wir durch ein Gebiet mit Starkregen. Was uns dahinter erwartet, konnte kein Mensch wissen. Wind bis zu 35 Knoten und eine riesige Kreuzsee, also hohe Wellen aus allen Richtungen. Unsere Lille Venn wurde zum Rodeopferd auf hoher See. Liebe Leserinnen und Leser, ich erspare euch die Details. Nur so viel: Mir ging es schon sehr bald richtig schlecht und Ralph war nach dem Einstellen des 2. Reffs auf dem Dach des Schiffes ebenfalls nicht mehr in Topform. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Gegend. Ich gebe zu, ich hatte Angst und schwor mir, nie mehr in meinem Leben nur eine einzige Seemeile auf einem Schiff zu verbringen, sollten wir dies hier unbeschadet überstehen. Nie wieder.
Nach einer gefühlten Ewigkeit (in Wirklichkeit waren es ca. 5 Stunden) erreichen wir zusammen mit unserem Buddy-Boot My Motu die Insel Moala, in deren Windschatten wir uns verstecken, um uns etwas zu erholen. Ankern können wir hier nicht, deshalb driften wir 12 Stunden vor der Insel hin und her und versuchen abwechselnd etwas zu schlafen. Als wir das erste Mal weitersegeln wollen, stehen schon wieder riesige Gewitter am Himmel mit Blitzen, welche die Nacht erhellen. Obwohl diese weit weg sind, warten wir noch einige Stunden und dann, es ist kaum zu fassen, verabschiedet sich der Wind gänzlich und wir müssen durch die hohe abnehmende Dünung motoren, bis wir am Abend vor einer kleinen unbewohnten Insel, nur noch 25 Meilen vom Ziel entfernt, den Anker werfen. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich und es gibt dafür keine Superlative. Der Himmel ist fast wolkenlos, der Sonnenuntergang gigantisch und kein Windchen trübt die Idylle. Wir versuchen das erste Mal etwas zu essen und fallen danach erschöpft in einen Tiefschlaf.

Gemütlich und ohne nennenswerten Wind motorsegeln wir am nächsten Morgen die 25 Meilen zu unserem Ziel. Zusammen mit der Flora, die den einen Tag noch abgewartet hat und deshalb entspannt unterwegs war, fahren wir durch den Pass von Fulaga. Da ich nie wieder segeln möchte, werden wir wohl nun den Rest unseres Lebens hier verbringen ;-)
Nun, egal wie lange man vor einer Insel bleiben möchte, ist der erste Gang jener ins Dorf zum Chief, wo wir unser Sevusevu darbringen und somit um die Erlaubnis bitten, hier vor Anker liegen zu dürfen. Erinnert ihr euch? Mit dem Sevusevu, der traditionellen Übergabe von Kavawurzeln an den Chief, bitten Besucher in Fidschi um Erlaubnis, Gast im Dorf und auf dem dazugehörigen Land zu sein. Es ist ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung.

Beim Dorf Besuch tragen Männer und Frauen einen Sulu, den traditionellen Wickelrock
Zu unserer grossen Freude wird hier jeder Crew eine Gastfamilie zugeteilt, die fortan unsere Ansprechsperson ist. Unser Gastvater ist Maika. Er ist mit knapp 80 Jahren der Dorfälteste und erzählt uns traurig, dass er kürzlich seine Frau verloren hat. Wir haben den kleinen ruhigen Mann mit seiner warmen Ausstrahlung sofort in unser Herz geschlossen und folgen einige Tage später seiner Einladung, mit ihm und dem ganzen Dorf die Erinnerungsfeier an seine Frau zu begehen, die nach 100 Nächten zelebriert wird.


Gestern Nachmittag spazieren wir also auf dem wunderschön angelegten Weg durch den Wald ins Dorf. Maika erwartet uns schon und schnappt sich Ralph für eine weitere Kavazeremonie, während ich mich zu den Frauen setze. Diese kochen und schwatzen und berichten mir über ihr Leben. Ich kann mich fast nicht satthören und bin tief beeindruckt über ihr bisweilen nicht ganz einfaches und dennoch zufriedenes Sein. Sie berichten von ihren Kindern, die die Insel verlassen haben, von solchen, die früh starben, vom Stolz über die hiesige Schule, die die Kinder von 4 Dörfern unterrichtet. Und von ihrer Sorge, die sie umtreibt, weil die Krankenschwester im Moment nicht auf der Insel weilt, sondern mit dem Helikopter eine schwer kranke Dorfbewohnerin in die Hauptstadt nach Suva begleitete.

Namei erzählt mir von ihrer Kinderlosigkeit und dass halt alles in Gottes Plan liege. Sie sei dennoch glücklich, sagt sie, denn für die Kinder ihrer Geschwister sei sie nun die zweite Mama. Wie auf Kommando springt ein Junge zu uns auf die Bank und fragt mich, ob er in mein Handy schauen darf. Seit neuestem gibt es Starlink auf der Insel. Es wird wohl die letzte Generation sein, die so tief mit ihrer Tradition und der Natur verbunden auf ihrer Insel lebt. Wie schön, dass wir das hier erleben dürfen.



Ich bin so versunken in diesen Moment, dass ich fast nicht bemerke, dass Ralph mit Maika neben uns steht. Unser Gastvater möchte mit uns zum Grab seiner Frau gehen. Es wird ein sehr berührender und natürlich auch trauriger Moment.

Maika am Grab seiner Frau
Sehr herzlich werden wir von den Dorfbewohnerinnen danach zum Abendessen eingeladen. Leider können wir dieser Einladung nicht folgen, denn wir müssen vor Dunkelheit zurück zur Lille Venn finden. Eine Mahlzeit müssen wir, so gibt es die Gastfreundschaft vor, dennoch mitnehmen. Mit köstlichem Fisch in Kokosmilch und gebratenem Maniok beschenkt, treten wir den Rückweg an.
Von der Einladung zu Maikas Garten und bestimmt vielen weiteren schönen Erlebnissen berichte ich demnächst. Bis dahin: vinaka vakalevu, moce!
Noch ein Wort zu den Bildern. Fotos von den Locals haben wir nur auf ausdrückliche Erlaubnis oder, wie am Grab von Maikas Frau, auf seinen Wunsch gemacht.
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Kommentar von Lotti |
Liebe Barbara, lieber Ralph
wie unglaublich schön! Stein Bericht berührt mich sehr! Wie einfach könnte doch das Leben sein, wie wunderbar am anderen Ende der Welt mit solcher Herzlichkeit empfangen und in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden!
Und wir hier... ? müssen über eine 10 Mio Schweiz abstimmen....
Was haben wir doch im Laufe der Zeit alles verloren!
Umarme euch
Kommentar von Hans Graber |
Liebe Barbara
Wer eine Reise tut der kann was erzählen.
Der Tripp auf den Wellen muss ja furchteinflössend gewesen sein.
Mich hat es auch gefröstelt beim lesen.
Ich wünsche euch viele Eindrücke und schöne Erlebnisse.
Ein Engel begleitet euch …
Kommentar von Daniela Cude |
Liebe Barbara
Hui, Ihr seid so mutige Segler! Bin froh, habt Ihr das Ziel unbeschadet erreicht.
In welcher Sprache unterhaltet Ihr euch mit den Einheimischen? Sehr schön, eure Erlebnisse
Kommentar von Mücke |
Liebe Lille Venns,
Dramatisch und herzerwärmend- eine hervorragende Kombination.
Wenn es dann gutgegangen ist-eine bleibende Erinnerung:-)
Un abrazo
Kommentar von Waidih |
Ralph and barbara good man good heart I wish you loung life inchalah ????????????????