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Der Vulkan erhebt sich 2518 Meter hoch über die Westküste der Nordinsel. Geologisch betrachtet ist er ein vergleichsweise junger Stratovulkan, dessen letzte größere Eruption im 19. Jahrhundert stattfand. Als James Cook den Vulkan “entdeckte”, hatte er diesen in „Mount Egmont“ umbenannt, nach einem englischen Adligen, welcher nie etwas mit Neuseeland zu tun hatte. Glücklicherweise erhielt der Vulkan mit der perfekten Spitzkegelform inzwischen wieder seinen richtigen Namen. Te Maunga, oder Taranaki, für die Māori kein Berg, sondern ein Gott, der einst im Herzen der Nordinsel gemeinsam mit den mächtigen Bergen Tongariro, Ruapehu und Ngauruhoe lebte.

Als Taranaki sich in die bewaldete Pihanga verliebte, entbrannte ein erbitterter Kampf mit Tongariro. Die Erde bebte, der Himmel verdunkelte sich, bis Pihanga sich für Tongariro entschied. Tief verletzt verließ Taranaki die Gemeinschaft und wanderte gen Westen, dorthin, wo heute das Meer rauscht. Aus seinen Wunden, so heißt es, entsprang der Whanganui River, ein Strom klaren Wassers, der noch immer durch die Landschaft fließt.

Wir unternehmen eine Wanderung. Wiebke hat mir eine Wander-App empfohlen und ich recherchiere, so dachte ich, sehr genau. Mir ist es wichtig, dass die Strecke für mich gut machbar ist. Das heißt, es soll keine Abgründe, Kletterpartien oder an Seilen zu überwindende Klippen beinhalten. Das mit der Hängebrücke habe ich überlesen. Mist! Gut! Ich tue es! Ich verordne mir eine Konfrontationstherapie. Ralph klettert derweil schon mal behende runter in die Schlucht, um den Moment festzuhalten. Und wehe, irgendjemand denkt jetzt, es sei nicht hoch gewesen. Es war schwindelerregend und dieses Ding bewegte sich auch noch unter meinen Füßen. Scheinen Hängebrücken so an sich zu haben. Grässlich. Ansonsten wandern wir gut drei Stunden durch den Regenwald. Das wiederum ist wunderschön, mystisch und friedvoll.

Wann immer es in einem der Reiseführer heißt, dass man an einem Ort bedenkenlos vorbeifahren kann oder, wie dieses Mal, ein verstaubtes Städtchen nicht viel zu bieten habe, bedeutet das für uns: Da müssen wir hin. Whanganui mit dem River aus märchenhaften Geschichten.
Auf der Autofahrt zum Mount Taranaki erklang ein Ping und eine Warnlampe leuchtete orange. Kein Problem, meinte Ralph, es wird wohl ein Sensor sein. Elektronisches Gedöns. Kurze Zeit später eine rote Lampe und ein Pfeifton, der es in sich hat. Doch ein Problem! Rot gehe nicht, findet mein Chauffeur, und mit ziemlich viel Dusel finden wir einen Garagisten, welcher nach seinem Feierabend unsere Elektronik ausliest. Der hintere ABS-Radsensor ist defekt und muss, bevor es in eine verlassenere Gegend geht, ersetzt werden. Das Glück ist schon wieder auf unserer Seite und in zwei Anläufen bekommen wir den richtigen Sensor und finden dank einem Tipp einen Mechaniker aus Fiji, der in seiner Werkstatt hinter seinem Haus perfekte Arbeit leistet.

Nun geht's auf zum „verstaubten“ Städtchen Whanganui. Wir mieten ein zur Unterkunft umfunktioniertes Waschhäuschen auf einem Bauernhof. Kennt ihr die Fernsehserie „Unsere kleine Farm“? Ganz genau so hat es dort ausgesehen und es war Romantik pur. Die junge Farmersfamilie empfiehlt uns den Samstagsmarkt im Städtchen und wir tauchen ein in eine Art „Vintage“-Stimmung. Am Markt gibt es frisch gemahlenen Kaffee, selbst gebackene Muffins, überhaupt viel Selbstgemachtes, Holzspielzeug, Mädchen in Faltenröckchen und Jungs mit Schlips. Keine Show, kaum Touristen. Verstaubt war es hingegen ganz und gar nicht. Herausgeputzt und strahlend erleben wir die kleine Stadt.
Unsere kleine Farm

Das ehemalige Stadt Tram

Ein Markt voll Selbsgemachtem

Das gibt es noch

Wir spazieren am Whanganui River entlang, welcher 2017 weltweit Aufmerksamkeit erregte. Er erhielt als erster Fluss der Welt einen eigenen Rechtsstatus als juristische Person. Für die Māori ist er ein Vorfahr und keine Ressource. Das spiegelt die tiefe spirituelle Verbindung zwischen Landschaft und Identität wider.
Es ertönt eine Schiffshupe und wir entdecken das letzte kohlebefeuerte Schaufelraddampfschiff Neuseelands. 1899 gebaut, war es einst Teil der wichtigen Flussschifffahrt. Nach einem Brand sank das Schiff 1952 und lag jahrzehntelang auf dem Flussgrund. In den 1990er-Jahren wurde es geborgen und aufwendig restauriert. Nun dampft es wieder über den Whanganui River, mit echter Kohle, sichtbarer Mechanik und einem Hauch Pionierzeit. Ralph kauft Tickets für die nachmittägliche Flussfahrt, bevor ich mich umgeschaut habe. Es war ein Genuss!
Dieses Foto habe ich gestohlen von Schifffahrt.ch

Zwei wundervolle Tage sind wir etwas aus der Zeit gefallen, wandeln durch die Gassen mit den viktorianischen Häusern, besuchen eine Glasbläserei und fragen ChatGPT nach unspektakulären, verstaubten Ecken Neuseelands.
Whanganui

Allerdings wartet nun ein Kontrastprogramm. Wellington, die Hauptstadt. Wir wollen auf die Südinsel und den ganzen März dort verbringen. Mit einiger Hartnäckigkeit haben wir eines der im Moment begehrten Fährtickets ergattert und nach einem Tag City fahren wir, leider in der Nacht, durch die Cook Strait nach Picton.
Von einem Miniparadies, Pancakes aus Stein und dem niedlichsten Restaurant aller Zeiten erzähle ich euch in Kürze. In diesem Sinne bis bald wieder aus dem Land der weißen Wolke.
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Kommentar von Christina |
Immer wieder ein Genuss liebe Barbara! Alles Liebe in das Land der weißen Wolke!!
Kommentar von Moni |
Liebe Barbara
Vielen herzlichen Dank für den wiederum schönen Reisebeitrag - ein Genuss, wie selbstgemachte Muffins und frisch gemahlener Kaffee! Toll, wie ihr nicht nach den Hotspots reist, sondern euch neue Sigthseeings herauspickt!
Geniesst die tolle Zeit, liebe Grüsse - Moni
P.S. Die Fasnacht ist zum Glück jetzt vorbei!! Und wir freuen uns auf eine Woche Adelboden zum Auftanken!
Kommentar von Hans Graber |
Tolle Geschichten und Eindrücke.
Liebe Barbara ich danke dir für deine Erzählungen.
Es ist immer ein Genuss von dir zu lesen.
Geniesst eure Zeit ????
Kommentar von Mücke |
Grossartig wieder einmal.
Ich wünsche weitere spannende Erlebnisse :-)
Kommentar von Martin |
Konfrontationstherapie in Action, Neu-Interpretation eines Reisebegleiters und ChatGPT. Neue Wege die einem durch ein paar Wagnisse eröffnet werden. B-)
Super formuliert. Würde locker jedem Reiseführer gerecht!