Have any questions?
+44 1234 567 890
Wir tingeln durch die Inselwelt der Laugruppe. Nach einer friedlichen Zeit vor Anker und etwas Abstand sind meine Vorsätze, nie wieder eine einzige Meile zu segeln, natürlich vergessen. Auf dem Weg zur unbewohnten Insel Yagasa Levu geniessen wir versöhnliches Champagnersegeln. Wir hissen den Parasailor und sitzen gemütlich im Steuerstand und unterhalten uns über unser Lieblingssegel, welches uns schon sooo viele tausend Seemeilen durch die Ozeane gezogen hat und eigentlich seine zu erwartende Lebensdauer schon länger überschritten ist. Zügig sind wir unterwegs und überholen die Flora im Wissen, dass Ralf gleich den Fotoapparat zücken wird und uns schon bald ein weiteres schönes Bild von der Lille Venn unter Parasailor erreicht. Nichtsahnend, dass es vorläufig das letzte sein wird.

Fotocredit Ralf SY Flora
Ich mach’s kurz. Eine Welle bringt das Segel auf einer Seite ein bisschen zum Einklappen und beim Entfalten macht es Bumm!! Der Bergesack hängt noch oben und ein paar Stofffetzen ebenso. Wir schauen uns an und springen auf, denn das riesige Tuch liegt im Wasser. Es ist eine kräfteraubende Aktion, so viel Stoff sicher zu bergen. Was für ein himmeltrauriger Anblick.

Fotcredit Ralf SY Flora

Zugegeben, einige Momente sind wir schon etwas niedergeschlagen, aber dann siegt deutlich die Vernunft. Wir benutzten den Parasailor seit längerem mit grosser Vorsicht, denn wir wussten um den einen oder anderen kleinen Schaden und beäugten immer wieder die kritischen Stellen, die wir schon selber geklebt oder haben nähen lassen. Der Zeitpunkt, ein neues Segel zu bestellen, ist auch nicht der schlechteste, denn wir werden die Zyklonsaison in Neuseeland verbringen. Ein guter Ort, um sich darum zu kümmern.

Die unbewohnte Insel Yagasa Levu empfängt uns mit einer Überraschung. Es ist nicht etwa eine schnuckelige Bucht. Der Ankerplatz liegt direkt vor einem bewaldeten steilen Hang, in welchem wir unzählige Vögel entdecken (und riechen). Es sind Rotfuss- und Weissbauchtölpel, wie wir schon bald von Vogelkenner Ralf erfahren. Von der weissen Morphe ;-) Rotfusstölpel sind beeindruckende Flieger. Schnell und elegant gleiten sie oft nur knapp über der Wasseroberfläche dahin und legen dabei weite Strecken über dem offenen Meer zurück. Weiter als viele andere Tölpelarten entfernen sie sich dabei vom Festland. Auf der Jagd stürzen sie sich aus der Luft ins Wasser, um ihre Beute zu fangen – und selbst Fliegende Fische sind vor ihnen nicht sicher, denn diese können sie sogar während ihrer Flugphasen erbeuten. Eine Besonderheit der Rotfusstölpel ist ausserdem, dass sie sich sehr geschickt auf Ästen niederlassen können. Am Boden sieht man sie deshalb nur selten. So können wir die spannenden Tiere ungestört beobachten. Mit Jöööhh-Effekt.


Unser nächster Aufenthalt ist die Insel Susui. Da sich auch die norwegische Noxoma mit Bruse und Carine am Ankerplatz befindet, bricht hier das Fussballfieber aus. Bis zum Aus der Schweizer werden wir also für kurze Zeit zu Fans. Selbst ich, die ich vom Fussball so viel verstehe wie ein Fisch vom Fahrradfahren, diskutiere “fachkundig” über Aufstellungen, Fouls und vergebene Torchancen.

Hopp Schwiiz!!
Wart ihr heute zufällig einkaufen? Gleich um die Ecke im Supermarkt? Oder habt ihr zuhause gemerkt, dass ihr was vergessen habt und euch nochmals aufs Fahrrad geschwungen? Oder vielleicht könnt ihr euch vor lauter Auswahl nicht entscheiden und habt nun die Qual der Wahl? So oder so. Ich bin neidisch. Die Locals teilen mit uns, was sie haben, und das ist ganz wunderbar, keine Frage. Aber mittlerweile träume ich von Tomaten, Gurken, Salat, von Beeren, Broccoli und Blumenkohl, Bohnen und Auberginen….
Wir lesen in Noforeignland von einem Farmer in Mualevu und einem gut sortierten Shop in Lomolomo. Carine von Noxoma schreibt an Headmen Jacob, der uns anbietet, uns alle mit dem Longboat nach Lomolomo und anschliessend mit dem Truck zu eben diesem Garten zu bringen. Wir sind uns alle einig. Das machen wir! Wir erleben einen abwechslungsreichen Tag. Die Fahrt mit dem Boot ist rasant und unproblematisch.

In Lomolomo begutachten wir schon einmal begeistert das Sortiment. Es gibt Eier! Und Bananen! Und Äpfel! Herrlich. Die Männer freuen sich allerdings eher über verfügbaren Diesel und Dinghibenzin. Nach einem Fidschi-Stündchen Warten kommt der Truck mit freundlichem Fahrer. Los gehts über die Insel. Zuerst werden wir zu einer Veranstaltung gefahren. Es ist die Vanuabalavu Expo, dazu gehört die Women's Expo and Careers Fair. Frauen aus den umliegenden Inseln kommen für mehrere Tage auf Mualevu zusammen und verkaufen ihre Handarbeiten, Kräutersäfte, Seifen, Bodenmatten und vieles mehr. Ich kaufe eine Flasche frisch gemachtes Kokosöl.

Auch bereits hier gibt es einen Garten und wir dürfen uns selber einige Pak Choi aus dem Boden ziehen. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt über die schöne und sehr gepflegte Insel werden wir am Fusse eines Berges ausgeladen. Begleitet vom Farmer, den wir unterwegs aufgegabelt haben, geht es steil und über Stock und Stein den Hang hinauf. Und tatsächlich. Mitten im Dschungel am Berg befindet sich ein Garten. Eine Art wildes Paradies. Hier wachsen Auberginen, Tomaten, Kohl, Limonen, Bananen, Koriander, Mais und Papayas, sowie Uvi, Dali und Tavioka, allesamt stärkehaltige Wurzelknollen, welche als Grundnahrungsmittel in der einheimischen Küche dienen.

Mit schweren Rucksäcken und strahlenden Gesichtern gehts eine Stunde später den Berg hinunter zurück zum Truck und nach Lomolomo in den Shop. Wir entdecken, dass es in einer Tiefkühltruhe Glacé gibt. In pink und grün und Schokolade. Nach was es genau schmeckt? Wir wissen es nicht, aber es war die Krönung schlechthin!

Die Wettervorhersage kündigt Starkwind an und das für mindestens eine Woche. Wir verlegen an einen geschützten Ort nach Bavatu Harbour. Hier liegen wir absolut ruhig, sicher an Landleinen festgemacht. Wir beobachten Flughunde, wandern zum Aussichtspunkt, schnorcheln im wunderschönen und sehr gesunden Korallengarten. Inzwischen ist auch die My Motu wieder zu uns gestossen und wir geniessen die Gemeinschaft, spielen Brändi Dog und bekochen uns gegenseitig.

Auf der nächsten Etappe soll es zurückgehen in die Zivilisation. Mit Stopps an einigen schönen Tauchplätzen, so der Plan, geht es in Richtung Savusavu, von wo ich für einen mehrwöchigen Aufenthalt in die Schweiz zurückreise. Davon und weiteren Reiseplänen berichte ich beim nächsten Mal.
Einen Kommentar schreiben
Kommentar von Moni |
Liebe Barbara
Im Juni waren wir 3 Wochen mit dem Camper bis Dänemark unterwegs und kam heute Morgen um 7 Uhr in den Genuss, gleich 2 deiner Berichte zu lesen :-)...
Wie immer wunderbar Menschen, deren Leben und eure Erlebnisse beschrieben. Lesegenuss pur! Danke!
Bin gespannt auf euren neuen Parasailor und sowieso auf eure weiteren tollen Reiseerlebnisse. Und dir schöne Ferien in der Heimat, wo das einkaufen definitiv einfacher ist - aber bei weitem nicht so eindrücklich...
Euch beiden liebe Grüsse aus dem leider regenfreien unteren Fricktal
Moni